Wie viel Innovation braucht der Wein?

Alljährlich beginnt mit dem Ende der Weinlese das rege Arbeiten in den Kellern der Winzer. Es gilt, die Qualität der Trauben über den Weinausbau bis hin zur Flasche zu erhalten. Für den Winzer heißt das – mit einer großen Aufmerksamkeit den Wein beobachten und mit einem gewissen Fingerspitzengefühl den Wein behandeln.

Doch längst hat auch die Industrie die Weinbranche für sich entdeckt und zieht mit vielenInnovationen in die Keller der Winzer ein. Sie vermittelt dem Winzer die neue Technik zu brauchen, denn der technologische Fortschritt würde sie sonst ins Hintertreffen geraten lassen. Und so wird seit einigen Jahren filtriert, flotiert und gekühlt so viel die Technik hergibt. Scheinbar gilt, je neuer die Technik und je öfter deren Anwendung, desto besser der Wein. Doch wie viel Innovation braucht der Wein?

Gerade Weißweine sind äußerst sensible Produkte! Werden sie zu sehr strapaziert, so werden sie leer und platt, ganz zu schweigen von nicht mehr vorhandenen Aromen. Der Wein wird ausdruckslos und langweilig für den Genießer. Rotweine können aufgrund ihrer größeren Fülle etwas mehr Strapazen ertragen, allerdings leidet auch deren Qualität.

Doch warum findet die Technik so großen Gefallen bei den Winzern? Volker Schneider, weltweit anerkannter Oenologe aus Bingen am Rhein, erklärt es sich folgendermaßen: Sie (die technischen Geräte) leisten einen Beitrag zur Normierung der Qualität, reduzieren den Zufall und vermitteln dem Anwender ein Gefühl der Sicherheit. Letzteres wird dem Winzer von der Industrie besonders vermittelt, denn mit deren Geräten und Behandlungsmitteln kann bei der Weinbereitung nichts mehr schief gehen und der Winzer kann sicher sein, dass die Weine jedes Jahrgangs eine super Qualität haben werden. Eine ständige Behandlung des Weines wird zu oft zum Selbstzweck und zur Beruhigung des Gewissens. Dass es sich bei Wein um ein Naturprodukt handelt, ist dabei wohl so manchem aus dem Sinn gekommen.

Gerade große Kellereien greifen leider frühzeitig technisch in die Entwicklung des Weines ein und lassen oftmals keinerlei individuelle Entfaltung der Weine zu. Vor allem hier treffen die Aussagen von Herr Schneider Normierung der Qualität und reduzieren des Zufalls exakt zu. Einzelhandel und Discounter wollen gleichbleibende Weine in Hinblick auf Geschmack & Qualität und formen dadurch fast schon einen Standard-Wein, den der Verbraucher zu trinken hat. Gerade im Spitzenbereich erhält die Qualität der Traube bzw. deren Qualitätserhalt eine vielfach größere Bedeutung als die Anwendung der neusten und innovativsten Technik, die die Industrie entwickelt hat, wenngleich diese auch den Arbeitsaufwand und den -zeitbedarf reduziert haben. Aus diesem Gesichtspunkt verfolgen auch wir den Gesichtspunkt der minimalen Weinbehandlung, denn so sorgt jeder Jahrgang wieder für neue Überraschungen, neuen Weintypen und neuen Geschmackserlebnissen, die wir Ihnen nicht durch zu übermäßigen Einsatz von technischen Geräten vorenthalten wollen.

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